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Erster E-Steamcracker weltweit steht kurz vor der Erprobung

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Der Steamcracker II, das Herz des Verbundstandortes
Der Steamcracker II: Das Herz des Verbundstandortes in Ludwigshafen. Foto: BASF

Die BASF will bis zum Jahr 2050 ein klimaneutraler Chemiekonzern werden – eine enorme Herausforderung für ein Unternehmen, dessen Geschäft auf Öl und Erdgas basiert. Um diese Ziele zu erreichen, setzt die BASF auf erneuerbare Energien und Technologien zur CO2-Verminderung.

Herstellung der Basischemikalien erzeugt viel Treibhausgas

Das Geschäftsmodell der BASF funktioniert vereinfach gesagt so: Rohöl und Erdgas werden am Standort Ludwigshafen in eine Vielzahl chemischer Produkte umgewandelt. Die stecken zum Beispiel in Matratzen, Badeanzügen, Autolacken, Waschmitteln oder Windeln. 

Auf dem Weg zu diesen fertigen Produkten entstehen bisher enorme Mengen an Treibhausgasen (CO2). Mit 70 Prozent fallen die größten Mengen bei der Herstellung der wichtigen Basischemikalien am Anfang der Wertschöpfungskette an – unter anderem im sogenannten Steamcracker: Hier wird Rohbenzin zur Weiterverarbeitung in Olefine und Aromaten aufgespalten. Dazu benötigen die riesigen Anlagen eine Temperatur von 850 Grad Celsius. 

E-Steamcracker kurz vor der Erprobung

Am Haken: Der letzte Transformator wird per Kran in die Demonstrationsanlage gehoben und in Millimeterarbeit platziert und ausgerichtet. Foto: BASF
Am Haken: Der letzte Transformator wird per Kran in die Demonstrationsanlage gehoben und in Millimeterarbeit platziert und ausgerichtet. Foto: BASF

Bisher werden die Spaltöfen der Cracker fossil befeuert, also mit Erdgas betrieben. Um im Stammwerk möglichst schnell auf umweltfreundliche Werte zu kommen, steht nun der weltweit erste E-Steamcracker kurz vor der Erprobung: Im ersten Quartal diesen Jahres soll es losgehen. „Die Mission von BASF ist Klimaneutralität und die Elektrifizierung des sehr energieintensiven Steamcrackers ist ein wichtiger Meilenstein auf unserer Transformationsreise hin zu Netto-Null-CO2-Emissionen“, betont Martin Brudermüller, Vorstandsvorsitzender der BASF.

Die Demonstrationsanlage von BASF, dem saudi-arabischen Chemiekonzern SABIC und dem Linde-Konzern steht recht unscheinbar auf dem riesigen Firmengelände in einem Gewirr aus fast 3.000 Kilometer Rohrleitungen, 100 Kilometer Straße und 230 Kilometer Eisenbahnschienen. Die Spaltöfen sind vollständig in einen der bestehenden Steamcracker integriert und sollen mit Strom aus erneuerbaren Quellen laufen. Das ermöglicht eine CO2-Ersparnis um mindestens 90 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Technologien. Die neuartige Ofentechnologie wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz sowie von der Europäischen Union gefördert. 

Klimafreundliche Technologien

Kernelemente der Wasserstoff-Elektrolyse sind diese sogenannten „Stacks“. Diese werden derzeit in der neuen Gigawatt-Fabrik von Siemens Energy in Berlin gefertigt. Foto: Siemens Energie
Kernelemente der Wasserstoff-Elektrolyse sind diese sogenannten „Stacks“. Diese werden derzeit in der neuen Gigawatt-Fabrik von Siemens Energy in Berlin gefertigt. Foto: Siemens Energie

Zu den wichtigsten klimafreundlichen Technologien, an denen BASF arbeitet, gehören neben dem elektrisch betriebenen Steamcracker-Ofen auch Verfahren zur Herstellung von umweltfreundlichem Wasserstoff wie die Methanpyrolyse und die Wasserelektrolyse. Sauberer Wasserstoff ist ein Schlüssel für das Gelingen der Transformation hin zu klimafreundlicher Chemie, Mobilität und klimafreundlichem Heizen. Am Standort soll jetzt eine der größten umweltfreundlichen Wasserstoffanlagen Deutschlands gebaut werden und die Treibhausgasemissionen am Standort um weitere 72.000 Tonnen im Jahr senken. Bund und Land steuern bis zu 124,3 Millionen Euro bei. 
 

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