Chemie im Alltag

Apfelweinherstellung: So ensteht der typische Geschmack

· Lesezeit 2 Minuten.

Das Geschäft mit Apfelwein (auch Cidre und Cider genannt) boomt: 2015 konsumierten die Deutschen laut dem Verband der deutschen Fruchtwein- und Fruchtschaumweinhersteller 51,5 Millionen Liter – das sind 6,5 Millionen Liter mehr als im Vorjahr.

Angesichts dieser Absätze muss die Produktion schnell und reibungslos laufen. Mit natürlichen Mitteln helfen die Hersteller nach: Spezielle Enzyme erhöhen zum Beispiel die Saftausbeute in der Apfelpresse.

Dabei dringen die Moleküle in die Fruchtzelle ein und lösen die darin enthaltene kittende Substanz Pektin. „Das führt dazu, dass die Zelle viel einfacher und gründlicher aufbricht – so gewinnt man mit weniger Kraftaufwand mehr Saft“, erklärt Ilona Schneider, promovierte Önologin und Mikrobiologin bei Eaton Technologies in Langenlonsheim.

Hefen verzehren Zucker

Das Unternehmen ist Spezialist für Getränkebehandlung, Prozesstechnik und Filtration. Am Standort entwickeln die Forscher die Enzyme. „Wir bestimmen ihre Zusammensetzung und Wirkung und vermarkten sie weltweit“, sagt Schneider.

Bei der Gärung wiederum kommen Mikroorganismen (Reinzuchthefen) zum Einsatz. Schneiders Team züchtet geeignete Stämme im Labor und testet sie im Mikromaßstab. „Die Hefen verzehren den im Most enthaltenen Zucker und bilden Alkohol und Aromastoffe“, schildert die Expertin. Zwar tragen Äpfel von Natur aus Wildhefen, die diesen Job erledigen könnten. „Ihre Qualität schwankt jedoch stark. Manchmal sterben sie ab und stoppen die Gärung. All das kann den Cidre verderben.“ Faule Stellen, die bei Fallobst oft vorkommen, erhöhen das Risiko für Fehlaromen.

Mit Bakterien gegen Säure

Auf die Eigenschaften der Reinzuchthefen hingegen ist Verlass: Sie beschleunigen den Prozess und „futtern“ den gesamten Zucker ohne Pause. Gut zwölf Tage dauert der kontrollierte Vorgang – statt mehrerer Wochen.

Schlussendlich zählt der Geschmack: Nicht zu sauer darf der Cidre sein, dann riecht er auch nicht gut. Streuobst, aus dem Cidre besteht, ist jedoch viel saurer als Tafelobst. Schneider: „Spezielle Milchsäurebakterien sorgen dafür, dass die Säure verschwindet.“

Mehr Chemie im Alltag gibt´s in unserer Rubrik Wissenschaffer, mehr Markt- und Innovationsführer aus Rheinland-Pfalz finden Sie in Made in Rheinland-Pfalz.

  • Like
  • PDF
Schlagworte

Das könnte Sie auch interessieren

Chemie-Tarif: Gehalt nach Entgeltgruppe

Durch die Tarifverträge in der Chemiebranche erhalten Chemikanten schon im ersten Jahr ein vergleichsweise hohes Gehalt. Hinzu kommen noch Zulagen, tarifliche Extras sowie Weihnachts- und Urlaubsgeld. Nadine erklärt, welche Entgeltgruppen es gibt und was wichtig ist, um aufzusteigen.

Sozialpartnerschaft hat klare Vorteile

Wer sind die Sozialpartner? Und was leisten sie für die Beschäftigten in der Chemieindustrie? Spoiler: eine Menge! Warum man in der Chemieindustrie so gute Arbeitsverträge hat und zum Beispiel Urlaubtage nicht selbst aushandeln muss, erklärt Nadine.

Günstigere Energiepreise? Ja, bitte!

Die Chemieindustrie ist energieintensiv. Darum ist sie von hohen Energiekosten besonders betroffen. Was das im internationalen Wettbewerb bedeutet und wie die Politik helfen kann, erklärt Nadine in diesem ChemieCheck.

Green Deal: Jetzt erst recht

Europa will bis 2050 klimaneutral werden – darum beschloss die EU 2019 den Green Deal. Mit dem Clean Industrial Deal legt sie jetzt noch einiges drauf. Für dich heißt das: Mit Umwelt-Skills bist du in der Chemieindustrie klar im Vorteil! Mehr Infos dazu von Nadine.

Wechseln zur Seite International Articles Wechseln zur Seite Newsletter