Arbeiten in der Chemie

So arbeitet ein Chemielaborant

· Lesezeit 3 Minuten.
Die Chemielaboranten Stephanie Schneider und Patrick Henk. Foto: Finzelberg
Teamarbeit: Stephanie Schneider und Patrick Henk arbeiten seit ihrer Ausbildung als Chemielaboranten. Foto: Finzelberg

Ich bin Patrick Henk, 24 Jahre alt und Chemielaborant bei Finzelberg, einem Hersteller pflanzlicher Arzneistoffe aus Andernach. Ich habe hier vor vier Jahren meine Ausbildung abgeschlossen und arbeite seitdem in der nasschemischen Abteilung. Als ich nach der Schule nicht genau wusste, in welche Richtung ich gehen will, hat mir meine Familie den Tipp gegeben, in der Chemie zu schauen. Die hat mich schon in der Schule immer sehr fasziniert. Nachdem ich dann hier bei Finzelberg ein Praktikum gemacht hatte, habe ich mich direkt um die Ausbildung zum Chemielaboranten beworben. Aktuell setze ich feierabends noch ein Fernstudium als Chemietechniker drauf, um wirklich harte Nüsse knacken zu können.

Über 50 Analysewege

Wenn ich morgens ins Labor komme, weiß ich, welche Analyse für welche Wirkstoffe ansteht – außer es kommt eine Kontrolle aus der Forschung, bei der ich eine komplett neue Analyse machen muss: Da geht es meist darum, wie viel von welchem Wirkstoff enthalten ist. Dazu berate ich mich Schritt für Schritt mit den Kolleginnen. Bei den Routineanalysen haben wir dagegen strikte Vorgaben für die Analyseschritte. Da es aber mehr als 50 davon gibt, ist dennoch jeder Arbeitstag anders.

Vollautomatisch: Der Sampler stellt die Proben zur Analyse bereit. Foto: Finzelberg
Vollautomatisch: Der Sampler stellt die Proben zur Analyse bereit. Foto: Finzelberg

Schütteln, kochen, färben

Mein Chef sagt gerne, wir in der nasschemischen seien die Old-School-Abteilung: Wir schütteln die Wirkstoffe noch aus dem Extrakt raus, wo andere mit Maschinen arbeiten. In 99 Prozent unserer Analysen extrahieren und isolieren wir den Wirkstoff durch Schütteln und Kochen. Dann färben wir ihn ein und messen seinen Gehalt an der Farbintensität.

Bunt: Das Einfärben gibt Aufschluss über die Wirkstoffkonzentration. Foto: Finzelberg
Bunt: Das Einfärben gibt Aufschluss über die Wirkstoffkonzentration. Foto: Finzelberg

Sondermission aus F & E

Unsere Forschung und Entwicklung hat immer wieder neue Herausforderungen für uns. Da gibt es oft Versuchsansätze, wie bestimmte Methoden effektiver gemacht werden können. Oder es gibt eine Sicherheitskontrolle, um die beste Qualität in der Rezeptur zu garantieren. Dann sind wir gefragt: Stimmt der Wirkstoffgehalt noch, ist genug davon drin?

Ergebnis entscheidet über Auslieferung

Unser Messergebnis geben wir an die Laborleitung weiter, die den Wirkstoff freigibt. Falls die Werte nicht passen, muss die Produktion angepasst werden. Ist alles in Ordnung, bekommt das Lager von der Laborleitung das Okay. Wenn der Wirkstoff ein Endprodukt ist, wird er verpackt und geht an den Kunden – beispielsweise Senna, ein Pflanzenwirkstoff mit abführender Wirkung, den wir unabhängig von der Saison immer wieder analysieren.

Verdampft: Bei niedriger Siedetemperatur wird der Wirkstoff isoliert. Foto: Finzelberg
Verdampft: Bei niedriger Siedetemperatur wird der Wirkstoff isoliert. Foto: Finzelberg

Vollzeitbetreuer für Azubis

Auch wenn unsere Abteilung mit zweieinhalb Stellen eher klein ist, ist Zusammenarbeit sehr wichtig. Ob ein Analysefehler oder die Berechnung des Wirkstoffs in einem Sonderfall: Wer aufgeschmissen ist, findet hier auf jeden Fall Hilfe, ob im Team oder unter den 25 Laboranten im Gebäude. Das fand ich schon in der Ausbildung bemerkenswert. Die Ausbilder nehmen sich sehr viel Zeit, ein Ausbilder kümmert sich sogar in Vollzeit um alle theoretischen und praktischen Fragen, die man als Azubi so haben kann.

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